«dog eat dog» - eine Parodie auf innovatives Theater

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Ein Theaterstück von Dan Wiener, das zwar voll im Trend wäre, von dem wir aber hoffen, dass es nie aufgeführt werden wird!

Der Fachausschuss für Tanz und Theater der Kantone BL und BS wollte unsere Jubiläumsproduktion „Tejbele“ nicht unterstützen. Die Produktion sei inhaltlich und dramaturgisch  zu wenig gut, hiess der Bescheid.

Ich wollte genauer wissen, was dahinter steckt. Als Test, was dem Fachausschuss dramaturgisch und inhaltlich gefällt, habe mich hingesetzt und innerhalb von zwei Tagen ein neues Stück und ein neues Gesuch geschrieben und eingereicht.

In dieses Stück habe ich alles eingebaut, was ich an vielen Theaterstücken, die ich in den letzten Jahren gesehen habe, gehasst habe:

Plumpe Regie-Einfälle, naive Parodien auf unser Wirtschaftsleben, Obama und Putin auf Bildschirmen, eine nackte Schauspielerin als Hommage an Marina Abramovic, eine Journalistin, die sowohl in Donezk wie in Kairo vergewaltigt worden ist, dazwischen SMS-Texte. Das alles und noch mehr in einem Stück wild durcheinander.

Ich habe behauptet, ein Moskauer Untergrund-Blogger und eine Kiewer Künstlerin (Tochter eines Russen und einer Ukrainerin natürlich) würden an dem Stück mitarbeiten. Ich habe (fast) nichts ausgelassen.

Die Theaterfachgremien rufen immer nach Innovation und ich war für einmal grauenhaft innovativ!

Und tatsächlich wurde ich - im Gegensatz zum vorhergehenden Gesuch - zu einem Gespräch eingeladen. Dieses Treffen habe ich dann genutzt, um meine Meinung darüber, was eine „gute“ und was eine „schlechte“ Produktion sei, kund zu tun.

Einige Fachkommissions-Mitglieder waren über die Parodie sichtlich verärgert, andere verstanden, dass manchmal das Theaterstück schon bei der Vorstellung des Projektes beginnt. Ich wiederum habe mir gesagt: Wenn ich schon kein Geld bekomme, will ich wenigstens meinen Spass haben.

Im Ernst: Wenn wir Tejbele spielen, dann nicht, weil wir nicht anders könnten, sondern weil wir es genau so wollen!

Wer mehr zu der Geschichte wissen will: pdfHier finden Sie die Parodie auf „innovatives Theater“.

Und hier den pdfBrief an den Fachausschuss, in dem ich erkläre, warum wir Tejbele spielen und nicht «dog eat dog».

Dass wir die ganze Produktion aus der eigenen Tasche finanzieren müssen, ist nun der Preis für die Unabhängigkeit.

Dan Wiener 

Markiert in: kritik kultur theater

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Gast Sonntag, 20 August 2017